Ratgeber · Geschichte & Methoden

SOS und die Berliner Funkkonvention 1906: Wie der internationale Notruf entstand

Drei Punkte, drei Striche, drei Punkte. Das SOS-Signal ist eines der bekanntesten Zeichen der Welt, gerade weil es keine Bedeutung hat. Es wurde 1906 in Berlin bei der zweiten internationalen Funkkonvention nicht wegen seiner Symbolik gewählt, sondern weil es als zusammenhängendes Klangbild ohne Pausen unverwechselbar ist. Vorläufer war CQD, ein Marconi-Code von 1904. Am 14. April 1912 sendete die Titanic beide Signale parallel ins Atlantik-Funknetz.

9 Min Lesezeit 1.916 Wörter 5 FAQs
Jan-Tristan Rudat
Jan-Tristan RudatRedakteur
Geprüft am

Drei Punkte, drei Striche, drei Punkte. Das SOS-Signal ist eines der bekanntesten Zeichen der Welt und gleichzeitig eines der am häufigsten missverstandenen. Es steht nicht für Save Our Souls und nicht für Save Our Ship. Es wurde 1906 in Berlin aus rein technischen Gründen ausgewählt. Dieser Ratgeber zeigt die Entstehungs-Geschichte, die Vorläufer-Signale, die Rolle der Titanic-Katastrophe und die heutige Bedeutung im Amateurfunk und symbolisch.

Die Vorgeschichte mit CQD und Hersteller-Codes

Bis zur Jahrhundertwende um 1900 gab es im Schiffsfunk keine standardisierten Notfall-Signale. Die Marconi Wireless Telegraph Company, gegründet 1897 von Guglielmo Marconi, baute die ersten kommerziellen Schiffs-Funkanlagen und stellte eigene Funk-Konventionen auf. Andere Anbieter wie die deutsche Telefunken (gegründet 1903 von Siemens und AEG) und die amerikanische United Wireless Telegraph Company nutzten parallel eigene Codes.

Marconi führte 1904 das Signal CQD ein. CQ war bereits seit den 1890er-Jahren als allgemeiner Sammelruf in der Funktelegrafie etabliert (wahrscheinlich aus dem französischen sécurité oder dem englischen seek you abgeleitet, die Etymologie ist umstritten). Das D wurde von Marconi als Marker für Danger oder Distress angehängt. Diese CQD-Konvention galt ab 1. Februar 1904 für alle Marconi-Schiffe.

Das Problem war die fehlende Interoperabilität. Telefunken-Schiffe ignorierten Marconi-Signale grundsätzlich, weil Marconi seine Funker anwies, nur mit Marconi-Stationen zu kommunizieren (eine wettbewerbliche Strategie, um andere Anbieter aus dem Markt zu drängen). Im Notfall war diese Praxis lebensgefährlich, weil ein Marconi-Schiff in Not nicht mit einem nahen Telefunken-Schiff kommunizieren konnte.

Die Berliner Funkkonvention 1906

Die zweite internationale Funkkonvention fand vom 3. Oktober bis 3. November 1906 in Berlin statt. Es waren Vertreter aus 27 Staaten anwesend, darunter alle europäischen Großmächte, die USA, Japan und mehrere lateinamerikanische Länder. Die Konferenz wurde von der deutschen Reichspost organisiert.

Hauptziel der Konferenz war die Lösung des Interoperabilitäts-Problems. Die Beschlüsse legten fest:

  • Alle Schiffs-Funker müssen Signale aller Hersteller empfangen und beantworten
  • Die Notfall-Frequenz 500 kHz wird als Pflicht-Frequenz für alle Schiffsfunker eingeführt
  • Das Signal SOS wird als einheitliches Notruf-Signal festgelegt

Die SOS-Auswahl erfolgte nicht zufällig. Die deutsche Telegraphen-Verwaltung hatte 1904 bereits intern das Signal SOE (…---.) als Notruf erwogen, fand aber das End-Dit verwirrend (es hätte mit der nächsten Sendung verschmelzen können). Die Variante SOS mit symmetrischer Struktur (drei Dits, drei Dahs, drei Dits) löst dieses Problem und ist beidseitig sauber abgegrenzt.

Die Berliner Konvention trat am 1. Juli 1908 in Kraft. Ab diesem Datum waren alle Vertragsstaaten verpflichtet, SOS als einheitliches Notruf-Signal anzuerkennen. CQD blieb in der Marconi-Praxis noch einige Jahre parallel im Gebrauch, weil viele Funker mit dem alten Signal vertrauter waren.

Die Titanic am 14. und 15. April 1912

Die Titanic-Katastrophe ist nicht der Auslöser der SOS-Einführung (die war vier Jahre vorher erfolgt), aber das bekannteste Anwendungs-Beispiel. Am 14. April 1912 um 23:40 Uhr Bordzeit kollidierte die RMS Titanic auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York mit einem Eisberg im Nordatlantik.

Die beiden Marconi-Funker an Bord waren John George Phillips (genannt Jack Phillips, Senior-Funker) und Harold Sydney Bride (Junior-Funker). Sie hatten ihren Dienst gegen 22 Uhr eigentlich beendet, schliefen aber noch nicht.

Um 0:15 Uhr am 15. April begann Phillips mit den Notruf-Sendungen. Zunächst sendete er das Marconi-Signal CQD, weil das in der Marconi-Praxis der Standard war. Nach mehreren Minuten schlug Bride als Witz vor, auch das neue SOS-Signal zu nutzen, weil das vielleicht die letzte Chance sei. Diese Bemerkung, von Bride später in seiner Aussage vor dem britischen Wreck Commissioner überliefert, wurde berühmt.

Die Funker sendeten ab diesem Zeitpunkt CQD und SOS abwechselnd. Die Signale wurden von mehreren Schiffen im Atlantik empfangen, darunter die Carpathia unter Kapitän Arthur Rostron. Die Carpathia nahm sofort Kurs auf die Titanic-Position und rettete am Morgen 705 Überlebende aus den Rettungsbooten. 1.514 Passagiere und Besatzungsmitglieder starben.

Phillips blieb bis kurz vor dem Untergang an seinem Funkgerät und starb beim Schiffsuntergang. Bride überlebte und wurde später von der Carpathia gerettet. Die Phillips-Aussagen wurden über die Bride-Erinnerungen und die Karpathie-Funkprotokolle rekonstruiert.

Die Folgen: SOLAS 1914 und 1974

Zeitstrahl des SOS-Signals und der Funknotruf-Regeln Vom CQD zum GMDSS: Funknotruf-Geschichte 1904 bis 1999 1904 1906 1908 1912 1974 1999 CQD Marconi Berliner Konvention SOS in Kraft (1. Juli) Titanic 14./15. April SOLAS- Revision GMDSS in Kraft Erster Funknotruf Berlin SOS beschlossen 27 Staaten dabei Pflicht für Vertragsstaaten Titanic-Untergang CQD + SOS parallel 1.514 Tote Heute gültige SOLAS-Konvention Ablösung Klassik-Morse Die hervorgehobenen Stationen 1906 und 1912 prägten die Funknotruf-Geschichte
Vom ersten Marconi-CQD über die Berliner Funkkonvention 1906 und den Titanic-Untergang 1912 bis zum heutigen GMDSS-System 1999. SOS war 90 Jahre lang das internationale Notruf-Signal.

Die Titanic-Katastrophe führte zu zwei wichtigen regulatorischen Folgen. 1913 fand in London die erste SOLAS-Konferenz statt, die 1914 die erste Safety of Life at Sea Konvention verabschiedete. Diese SOLAS-1914-Konvention führte ein:

  • Pflicht zur 24-Stunden-Funkwache auf allen Schiffen mit über 50 Passagieren
  • Eisbergpatrouille im Nordatlantik (International Ice Patrol)
  • Mindest-Anzahl an Rettungsbooten gemäß Passagier-Zahl
  • Pflicht zur Funk-Notrufabhörung in regelmäßigen Abständen

Die erste SOLAS-Konvention wurde durch den Ersten Weltkrieg verzögert und trat erst 1929 für die Mehrheit der Vertragsstaaten in Kraft. Spätere Revisionen folgten 1948, 1960 und 1974. Die SOLAS-1974-Konvention ist die heute gültige Fassung, die durch zahlreiche Amendments laufend aktualisiert wird.

Hinweis: SOLAS unterscheidet sich von der ITU-Funkordnung. SOLAS regelt die Schiffs-Sicherheitspflichten (also was auf einem Schiff vorhanden sein muss), die ITU-Funkordnung regelt die Funk-Frequenzen und Verfahren. Beide Regelwerke wirken zusammen, sind aber rechtlich getrennt.

Die technische Struktur des SOS-Signals

SOS wird als ein zusammenhängendes Zeichen ohne interne Buchstaben-Pause gesendet. Das ist der entscheidende Unterschied zu drei einzelnen Buchstaben S-O-S, die mit Standard-Buchstaben-Pause (3 Einheiten) zwischen den Buchstaben gesendet würden.

Die Element-Folge ist:

  • Drei Dits (S, mit Element-Pausen)
  • Drei Dahs (O, mit Element-Pausen)
  • Drei Dits (S, mit Element-Pausen)

Die Element-Pause zwischen einzelnen Dits und Dahs beträgt 1 Einheit. Die Pause zwischen S und O sowie O und S ist im SOS-Prosign ebenfalls nur 1 Einheit, nicht 3 Einheiten. Dadurch entsteht das charakteristische …---… Klangbild als eine zusammenhängende Sequenz.

Die Gesamt-Dauer ist 3 Dits + 2 Element-Pausen + 3 Dahs + 2 Element-Pausen + 3 Dits = 3 + 2 + 9 + 2 + 3 = 19 Dit-Einheiten als ein Zeichen. Bei 20 WPM ist das 19 × 60 ms = 1.140 ms = 1,14 Sekunden für ein einzelnes SOS.

In der Notruf-Praxis wird SOS mehrfach hintereinander gesendet, oft 5 bis 10 Mal, gefolgt von Position, Schiffsname und Art der Not. Eine typische Sendung läuft zum Beispiel so: SOS SOS SOS DE STATION TITANIC POSITION 41 46 N 50 14 W STRUCK ICEBERG SINKING. Das DE ist eine Standard-Abkürzung für from und gibt den Sender an.

Eine Beispielrechnung zur SOS-Reichweite

Annahme: Wir wollen wissen, wie weit ein SOS-Signal auf der historischen Notfrequenz 500 kHz unter Standard-Bedingungen reichen konnte. Die 500-kHz-Frequenz ist eine Mittelwelle mit erheblicher Bodenwellen-Reichweite tagsüber und zusätzlicher Raumwellen-Reichweite nachts.

Tagsüber: Bodenwelle reicht bei 500 kHz typisch 300 bis 800 Kilometer über See, abhängig von Sender-Leistung. Ein klassischer Schiffsfunk-Sender hatte 1.500 Watt Antennen-Leistung, was eine Tagesreichweite von etwa 500 bis 700 Kilometern ermöglichte.

Nachts: Raumwelle kommt dazu, weil die D-Schicht der Ionosphäre nachts verschwindet und die Mittelwellen-Signale an der F-Schicht reflektiert werden. Die nächtliche Reichweite auf 500 kHz kann bis zu 2.000 Kilometer betragen.

Die Titanic-Position war 41 Grad 46 Nord, 50 Grad 14 West (etwa 600 Kilometer südöstlich von Neufundland). Die Carpathia befand sich etwa 100 Kilometer südöstlich der Titanic-Position und empfing die Signale problemlos. Die deutsche SS Frankfurt war etwa 300 Kilometer entfernt und empfing ebenfalls. Die SS Californian, nur 30 Kilometer entfernt, hatte ihren Funker bereits zu Bett geschickt und empfing die Notrufe deshalb nicht. Dieser Fehler führte zu Forderungen nach 24-Stunden-Funkwache, die in SOLAS-1914 verankert wurden.

SOS im heutigen Funkverkehr

Hinweis: Im internationalen Berufsfunk der Seeschifffahrt ist SOS auf 500 kHz seit 1. Februar 1999 nicht mehr in Gebrauch. Das GMDSS-System hat den klassischen Morse-Notruf abgelöst. Wer heute eine Schiffs-Notlage hat, sendet DSC-Notrufe auf VHF Kanal 70 oder MF/HF, aktiviert einen EPIRB-Notsender oder nutzt Inmarsat-Funk.

Im Amateurfunk lebt SOS weiter. Amateurfunker werden bei Naturkatastrophen, Stromausfällen oder anderen Notlagen als Backup-Kommunikation eingesetzt, weil ihre Geräte unabhängig vom kommerziellen Telekommunikationsnetz funktionieren. Der Notfunkkreis Deutschland NEAR übt regelmäßig SOS-Verfahren und Notruf-Abwicklung. Auf den Amateurfunk-Center-of-Activity-Frequenzen (zum Beispiel 3.760 kHz im 80-Meter-Band) wird im Notfall SOS gesendet, gefolgt von Notruf-Inhalten.

Symbolisch ist SOS weiter eines der bekanntesten Zeichen der Welt. Es taucht in Notfall-Apps auf Smartphones auf, in Survival-Symbolen am Strand (drei Steinhaufen, drei Stockfeuer) und in der Popkultur (Filme, Lieder, Comics). Die Buchstaben-Interpretation als Save Our Souls hat sich umgangssprachlich durchgesetzt, obwohl sie technisch falsch ist.

Quellen für die Vertiefung

  • Wikipedia-Artikel SOS mit umfassender Geschichte und Mythen-Klärung
  • IMO SOLAS-Konvention 1974 mit aktuellen Funkpflicht-Bestimmungen
  • ITU-R M.1677-1 mit Prosign-Definitionen einschließlich SOS
  • DARC-Notfunkkreis NEAR mit aktuellen Übungen und Frequenz-Plänen
  • Wikipedia-Artikel Titanic mit Funk-Protokoll-Details

Die wichtigsten Hebel

SOS ist seit 1906 international standardisiert und seit 1908 völkerrechtlich verbindlich. Es wurde nicht wegen einer Buchstaben-Bedeutung gewählt, sondern wegen der technischen Robustheit des Klangbilds. Die Berliner Funkkonvention war ein erster Schritt zur globalen Telekommunikations-Koordinierung, lange bevor solche internationalen Standards üblich waren. Die Titanic-Katastrophe 1912 hat das SOS-Signal weltweit bekannt gemacht und zu strikteren Sicherheits-Pflichten in der SOLAS-Konvention geführt. Drei Folgen sind bis heute relevant. Erstens: Der Mythos Save Our Souls ist falsch, aber unausrottbar. Wer die Etymologie korrekt erklären will, sollte die rein technische Auswahl bei der Berliner Konvention betonen. Zweitens: SOS wird als ein zusammenhängendes Zeichen ohne Buchstaben-Pause gesendet, nicht als drei einzelne Buchstaben S-O-S. Wer diese Pause-Regel missachtet, sendet streng genommen kein gültiges SOS. Drittens: Seit 1999 ist SOS im Berufsfunk durch GMDSS abgelöst, lebt aber im Amateurfunk und symbolisch weiter. Der Morsecode-Übersetzer auf dieser Seite zeigt SOS als Prosign-Variante ohne interne Buchstaben-Pause, damit Lernende den Unterschied zur normalen Buchstaben-Folge nachvollziehen können.

FAQ

Häufige Fragen

Steht SOS für Save Our Souls oder Save Our Ship?

Weder noch. Diese Hintertreppen-Erklärungen sind populäre Mythen ohne Bezug zur Entstehung. SOS wurde 1906 bei der Berliner Funkkonvention rein aus technischen Gründen gewählt, weil die Buchstaben S (drei Dits) und O (drei Dahs) ein einfach zu sendendes und unverwechselbares Klangmuster ergeben: ... --- ... als ein zusammenhängendes Zeichen ohne Pausen zwischen den Buchstaben. Das Muster ist auch unter starkem Funkrauschen und über schwache Verbindungen noch erkennbar. Die Buchstaben-Interpretation als Save Our Souls oder SOS Save Our Ship entstand erst nachträglich in der Boulevard-Presse, vermutlich nach dem Titanic-Untergang 1912, und hat keine offizielle Grundlage in den ITU- oder SOLAS-Dokumenten.

Wie wurde der Funknotruf vor SOS gehandhabt?

Vor 1908 gab es keinen einheitlichen Funknotruf. Die Marconi Wireless Telegraph Company, die das frühe Schiffs-Funknetz dominierte, hatte 1904 das Signal CQD eingeführt. CQ war die allgemeine Marconi-Sammelaufruf-Abkürzung (wahrscheinlich aus dem französischen sécurité abgeleitet), das D stand für Danger. Andere Funkgesellschaften wie die deutsche Telefunken und die amerikanische United Wireless nutzten eigene Codes, was im internationalen Funkverkehr zu Verwirrung führte. Bei einem Notfall war nicht klar, welches Signal gesendet werden sollte und welche Gegenstationen es überhaupt verstehen konnten. Die Berliner Funkkonvention 1906 löste dieses Problem durch eine einheitliche Norm, die alle Funkgesellschaften unabhängig vom Hersteller-System einhalten mussten.

Welche Rolle spielte die Titanic-Katastrophe für SOS?

Die Titanic-Katastrophe am 14. und 15. April 1912 war kein Auslöser für die SOS-Einführung (die war bereits 1908 erfolgt), aber ein wichtiger Beleg für die Notwendigkeit standardisierter Funkverfahren. Die Titanic-Funker Jack Phillips und Harold Bride sendeten ab etwa 0:15 Uhr am 15. April zunächst CQD (Marconi-Standard) und dann auch SOS abwechselnd. Die SOS-Sendungen folgten nach einem Witz Brides, dass es vielleicht die letzte Chance sei, das neue Signal zu nutzen. Die Carpathia empfing die Signale und steuerte die Position an. Nach der Katastrophe verabschiedeten die Seemächte 1914 die erste SOLAS-Konvention (Safety of Life at Sea), die zusätzliche Funkpflicht und Wachhabe-Regeln für Schiffe einführte. SOS war ab diesem Zeitpunkt verbindlich für alle Handelsschiffe.

Wie wird SOS technisch korrekt gesendet?

SOS wird als ein zusammenhängendes Zeichen ohne interne Buchstaben-Pause gesendet, also ...---... mit Standard-Element-Pausen zwischen Dits und Dahs (1 Einheit), aber keiner Buchstaben-Pause (3 Einheiten) zwischen S und O oder O und S. Die Gesamt-Dauer ist 3 Dits plus 2 Element-Pausen plus 3 Dahs plus 2 Element-Pausen plus 3 Dits, das sind 3 + 2 + 9 + 2 + 3 = 19 Dit-Einheiten als ein Klangbild. Wer SOS mit Buchstaben-Pause sendet (also S, Pause, O, Pause, S), sendet streng genommen die drei einzelnen Buchstaben S-O-S, was nicht der gleiche Funknotruf ist. Die Konvention als ein Zeichen ist seit 1906 verbindlich und schützt das Signal vor Verwechslung mit zufälligen Buchstaben-Folgen im normalen Funkverkehr.

Wird SOS heute noch verwendet?

Im internationalen Berufsfunkverkehr der Seeschifffahrt ist SOS seit 1. Februar 1999 durch das GMDSS-System (Global Maritime Distress and Safety System) abgelöst. Berufsschiffe nutzen heute Digital Selective Calling (DSC) auf VHF Kanal 70 und MF/HF, EPIRBs (Emergency Position-Indicating Radio Beacons) mit Satellit-Signal und Inmarsat-Funk. Das klassische SOS auf 500 kHz wird im Berufsbetrieb nicht mehr abgehört. Im Amateurfunk lebt SOS aber weiter, weil Amateurfunker im Notfall (zum Beispiel bei Naturkatastrophen oder Stromausfällen) als Backup-Kommunikationsmittel eingesetzt werden. Der Notfunkkreis Deutschland NEAR übt SOS-Signale regelmäßig. Symbolisch ist SOS weiter ein universal verständliches Zeichen, das auch in der Popkultur, in Notfall-Apps und in Survival-Kontexten genutzt wird.

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Quellen

Worauf dieser Ratgeber sich stützt

Veröffentlicht · zuletzt geprüft
Verantwortlich: Jan-Tristan Rudat

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