Ratgeber · Grundlagen & Praxis
Morse-Codetabelle nach ITU-Standard: Buchstaben, Ziffern, Umlaute und Sonderzeichen
Der internationale Morsecode ist nicht zufällig, sondern in der ITU-Empfehlung M.1677-1 verbindlich festgelegt. Sie unterscheidet 26 Buchstaben, 10 Ziffern, 14 Satzzeichen und mehrere Betriebs-Abkürzungen. Deutsche Umlaute Ä, Ö und Ü haben eigene Codes aus dem späten 19. Jahrhundert, ß wird traditionell zu ss umgeschrieben. Diese Codetabelle ist seit der Berliner Funkkonvention 1906 international bindend.
Die internationale Morse-Codetabelle ist seit der Berliner Funkkonvention 1906 in einer einheitlichen Fassung verbindlich. Heute steht sie in der ITU-Empfehlung M.1677-1 vom Oktober 2009. Dieser Ratgeber zeigt die vollständige Tabelle mit Buchstaben, Ziffern, Satzzeichen und Sonderzeichen, dazu die deutschen Umlaute und die Betriebs-Abkürzungen wie SOS oder SK. Wer den Code verstehen oder nachschlagen will, findet hier alles in einem Dokument.
Die Geschichte der Standardisierung
Samuel Morse und Alfred Vail entwickelten den Original-Code zwischen 1838 und 1844 für ihre Telegraphen-Geräte. Diese amerikanische Variante (American Morse Code oder Railroad Morse) hatte Eigenheiten wie Buchstaben mit eingebauten Pausen oder unterschiedlich langen Dahs. Sie war für mechanische Sounder und Papierstreifen ausgelegt, nicht für akustische Übertragung.
Der internationale Code entstand 1865 im Rahmen der Pariser Telegrafen-Konvention. Friedrich Clemens Gerke, ein deutscher Telegraphist, vereinfachte den Code 1848 zu einer Form ohne interne Pausen und mit nur zwei Längen (Dit und Dah). Diese Gerke-Variante wurde 1865 als kontinentaleuropäischer Standard übernommen und 1906 in Berlin bei der zweiten internationalen Funkkonvention zum globalen Standard erklärt.
Seit 1906 ist der Code in seinen Grundzügen unverändert. Die ITU-Empfehlung M.1677-1 in der heutigen Form geht auf die Revision von 2009 zurück, die das At-Zeichen (.—.-.) als neuestes Element aufnahm.
Die Buchstaben A bis Z
| Buchstabe | Morsecode | Buchstabe | Morsecode |
|---|---|---|---|
| A | .- | N | -. |
| B | -… | O | --- |
| C | -.-. | P | .—. |
| D | -.. | Q | —.- |
| E | . | R | .-. |
| F | ..-. | S | … |
| G | —. | T | - |
| H | … | U | ..- |
| I | .. | V | …- |
| J | .--- | W | .— |
| K | -.- | X | -..- |
| L | .-.. | Y | -.— |
| M | — | Z | —.. |
Die Buchstaben sind nach Frequenz im Englischen optimiert, was Morse und Vail in den 1840er-Jahren in einer Druckerei-Setzkasten-Auszählung ermittelt hatten. E (12 Prozent Häufigkeit) ist mit einem Dit das kürzeste Zeichen, T (9 Prozent) mit einem Dah das zweitkürzeste. Q und Z, beide unter 0,2 Prozent Häufigkeit, sind die längsten Buchstaben mit jeweils vier Elementen.
Im Deutschen wäre die Häufigkeitsverteilung anders. E bleibt zwar der häufigste Buchstabe (etwa 17 Prozent), aber N kommt mit 10 Prozent vor T mit 6 Prozent. Die deutsche Sprache profitiert dadurch nicht voll von der Frequenz-Optimierung, aber der Code bleibt identisch, weil internationale Funkverbindungen Vorrang vor sprachspezifischer Optimierung haben.
Die Ziffern 0 bis 9
| Ziffer | Morsecode |
|---|---|
| 0 | ----- |
| 1 | .---- |
| 2 | ..--- |
| 3 | …— |
| 4 | …- |
| 5 | … |
| 6 | -… |
| 7 | —… |
| 8 | ---.. |
| 9 | ----. |
Die Ziffern folgen einer einfachen Logik. Jede Ziffer besteht aus fünf Elementen, die schrittweise von Dits zu Dahs übergehen. Die Ziffer 1 hat ein Dit gefolgt von vier Dahs. Die Ziffer 2 hat zwei Dits gefolgt von drei Dahs. Die Ziffer 5 ist genau in der Mitte mit fünf Dits. Die Ziffer 0 ist das Maximum mit fünf Dahs.
Diese Logik macht die Ziffern leicht zu lernen, weil das Muster systematisch ist. Anfänger erkennen Ziffern oft schneller als Buchstaben, weil das Klangbild vorhersagbar ist. Allerdings sind die Ziffern relativ lang (immer fünf Elemente), was die Übertragungs-Dauer numerischer Texte verlängert.
Im Profi-Funkbetrieb gibt es kurze Ziffer-Varianten, sogenannte Cut Numbers, bei denen häufige Ziffern verkürzt werden. T statt 0, A statt 1, N statt 9 sind die bekanntesten. Cut Numbers sind nicht offiziell, sondern Konvention im Contest- und Profi-Funk, sparen aber bei langen Zahlen erheblich Zeit.
Die deutschen Sonderzeichen
| Zeichen | Morsecode | Erklärung |
|---|---|---|
| Ä | .-.- | wie A mit angehängtem Punkt-Strich |
| Ö | ---. | wie O mit angehängtem Punkt |
| Ü | ..— | wie U mit angehängten zwei Strichen |
| ß | (kein Code) | wird zu ss umgeschrieben |
| CH | ---- | als Eigenständiges Zeichen (vier Dahs) |
Die Umlaute sind nicht im Hauptcode der ITU enthalten, sondern in einem Anhang als national specific characters. Sie sind aber seit dem späten 19. Jahrhundert in der deutschsprachigen Funkwelt etabliert und werden in der Praxis auch international anerkannt, sofern die Gegenstation den Code kennt.
ß hat keinen eigenen Code. Die Konvention schreibt vor, ß als ss zu morsen. Wer Straße sendet, sendet S-T-R-A-S-S-E. Das CH als Vier-Dahs-Code stammt aus der deutschen Tradition, wo ch als ein Laut behandelt wurde, ähnlich wie sch (---) oder sch in den nordischen Sprachen.
Wer mit nicht-deutschen Funkern in CW kommuniziert, schreibt Umlaute meist um (Ä zu AE, Ö zu OE, Ü zu UE), um Missverständnisse zu vermeiden. Diese Umschreibung ist die international gebräuchliche Variante.
Die Satzzeichen nach ITU
| Zeichen | Name | Morsecode |
|---|---|---|
| . | Punkt | .-.-.- |
| , | Komma | —..— |
| ? | Fragezeichen | ..—.. |
| ’ | Apostroph | .----. |
| - | Bindestrich | -…- |
| / | Schrägstrich | -..-. |
| ( | Klammer auf | -.—. |
| ) | Klammer zu | -.—.- |
| : | Doppelpunkt | ---… |
| ” | Anführungszeichen | .-..-. |
| @ | At-Zeichen | .—.-. |
| + | Plus | .-.-. |
| = | Gleichheitszeichen | -…- |
| ; | Strichpunkt | -.-.-. |
Hinweis: Das At-Zeichen wurde erst mit der ITU-Revision 2004 in den Standard aufgenommen. Vorher war es im Morsecode nicht definiert, was bei der Übertragung von E-Mail-Adressen via CW zu unterschiedlichen lokalen Konventionen geführt hat.
Andere Sonderzeichen wie eckige Klammern, geschweifte Klammern oder das kaufmännische Und sind nicht offiziell normiert. Wer sie übertragen muss, behilft sich mit Umschreibungen oder vereinbart die Codierung vorab mit der Gegenstation.
Die wichtigsten Betriebs-Abkürzungen und Prosigns
Prosigns sind Zeichenfolgen, die als ein zusammenhängendes Zeichen ohne interne Buchstaben-Pause gesendet werden und eine eigene Bedeutung haben. Die wichtigsten:
- SOS: …---… als ein Zeichen, internationaler Funknotruf
- SK: …-.- als ein Zeichen, Schluss-Zeichen am QSO-Ende
- BT: -…- als ein Zeichen, Pause oder Trenner innerhalb einer Sendung
- KN: -.—. als ein Zeichen, over to you (an einen bestimmten Funker)
- AR: .-.-. als ein Zeichen, end of message (Nachrichten-Ende)
- AS: .-… als ein Zeichen, wait (kurze Pause anfordern)
- HH: … (acht Dits), Fehlerkorrektur (Text zurücknehmen)
Daneben gibt es Q-Codes als Abkürzungs-System für ganze Sätze. QTH ist Standort, QSL ist Empfangsbestätigung, QRM ist Störung durch andere Stationen, QRN ist Störung durch atmosphärische Geräusche, QRT ist Sendung beenden, QSY ist Frequenzwechsel. Diese Codes sind Buchstaben-Folgen, keine Prosigns, und werden mit Standard-Buchstaben-Pause gesendet.
Eine Beispielrechnung zur Code-Länge
Annahme: Wir wollen den Satz HELLO WORLD in Dit-Einheiten zählen, um die Übertragungs-Dauer zu bestimmen.
Die Buchstaben:
- H = … (4 Dits = 4 Einheiten)
- E = . (1 Einheit)
- L = .-.. (1+3+1+1 = 6 Einheiten)
- L = .-.. (6 Einheiten)
- O = --- (3+3+3 = 9 Einheiten)
- W = .— (1+3+3 = 7 Einheiten)
- O = --- (9 Einheiten)
- R = .-. (5 Einheiten)
- L = .-.. (6 Einheiten)
- D = -.. (5 Einheiten)
Buchstaben-Pausen (zwischen Elementen innerhalb eines Buchstabens) sind bereits eingerechnet. Zusätzlich kommen Pausen zwischen Buchstaben (je 3 Einheiten) und zwischen Wörtern (7 Einheiten).
Summe Buchstaben: 4 + 1 + 6 + 6 + 9 + 7 + 9 + 5 + 6 + 5 = 58 Einheiten Pausen zwischen Buchstaben (9 Pausen): 9 × 3 = 27 Einheiten Pause zwischen den zwei Wörtern: 7 Einheiten Aber Buchstaben-Pause innerhalb eines Wortes ist 3, also für 4 Pausen in HELLO und 4 in WORLD: 8 × 3 = 24 Einheiten Plus eine Wort-Pause zwischen HELLO und WORLD: 7 Einheiten
Gesamt: 58 + 24 + 7 = 89 Einheiten
Bei 20 WPM ist die Dit-Dauer 60 ms (1.200 / 20). Damit dauert HELLO WORLD: 89 × 60 = 5.340 ms = 5,34 Sekunden.
Eine visuelle Codetabelle
Quellen für die Vertiefung
- ITU-R M.1677-1 als offizielle Quelle mit der vollständigen Codetabelle
- Wikipedia-Artikel Morsezeichen als kostenlos zugängliche, deckungsgleiche Variante
- DARC Deutscher Amateur-Radio-Club für die praktische Anwendung im Amateurfunk
- BNetzA-Übersicht zum Amateurfunk in Deutschland
- ARRL für die anglophone Funkwelt und Code Practice Files
Was zu tun ist
Die ITU-Codetabelle ist seit über 100 Jahren der internationale Standard und in der Empfehlung M.1677-1 verbindlich festgelegt. Wer Morsecode lesen oder schreiben will, hat es nicht mit einer Vielzahl von Varianten zu tun, sondern mit einem einheitlichen Code, der weltweit verstanden wird. Drei praktische Folgen sind wichtig. Erstens: Die Codetabelle muss man nicht auswendig lernen, sondern als Klangbild im Ohr verankern. Wer mit dem Morsecode-Übersetzer auf dieser Seite Texte umwandelt, sieht die Zuordnung sofort. Zweitens: Deutsche Umlaute funktionieren nur mit deutschen Gegenstationen sicher. Im internationalen Funkverkehr ist die Umschreibung AE, OE, UE die robustere Variante. Drittens: Prosigns wie SOS, SK oder BT sind keine normalen Buchstabenfolgen, sondern eigene Zeichen ohne Pause. Wer sie mit Pause sendet, sendet etwas anderes. Der internationale Standard ist gleichzeitig die Pflichtgrundlage für jeden Amateurfunker, weil eine Klasse-A- oder Klasse-E-Prüfung zwar keinen Morse-Nachweis mehr verlangt, aber im aktiven CW-Funk die Code-Kenntnis Pflicht ist.
FAQ
Häufige Fragen
Warum ist E der kürzeste Code und Q einer der längsten?
Samuel Morse und Alfred Vail haben Mitte der 1840er-Jahre die Häufigkeit der Buchstaben in englischen Drucktexten ausgezählt (eine Druckerei-Statistik aus Setzkasten-Beständen) und die kürzesten Codes den häufigsten Buchstaben gegeben. E ist mit etwa 12 Prozent der häufigste Buchstabe im Englischen und bekommt nur ein einzelnes Dit. T mit 9 Prozent bekommt ein einzelnes Dah. Q mit unter 0,1 Prozent ist sehr selten und bekommt vier Elemente (--.-). Diese Frequenz-Optimierung ist ein früher Vorläufer der Huffman-Codierung aus der Informatik (David Huffman, 1952) und macht den Morsecode effizient gemessen an der durchschnittlichen Übertragungs-Dauer. Im Deutschen ist die Häufigkeit anders, aber der Code bleibt identisch.
Wie schreibe ich deutsche Umlaute und ß in Morsecode?
Ä ist .-.- (Dit-Dah-Dit-Dah), Ö ist ---. (Dah-Dah-Dah-Dit) und Ü ist ..-- (Dit-Dit-Dah-Dah). Diese Codes sind seit dem späten 19. Jahrhundert standardisiert und sind heute Teil der ITU-Codetabelle, allerdings in einem Anhang als Sonderzeichen. ß hat keinen eigenen Morse-Code, sondern wird traditionell zu ss umgeschrieben. Wer also Straße morsen will, sendet S-T-R-A-S-S-E. Die Großschreibung spielt im Morsecode keine Rolle, weil es nur eine Buchstaben-Variante gibt. Wer mit nicht-deutschen Funkern kommuniziert, schreibt Umlaute meist um (Ä zu AE, Ö zu OE, Ü zu UE), weil viele ausländische Funker die deutschen Sonderzeichen nicht kennen.
Was bedeutet das SK-Schlusszeichen am Ende einer Sendung?
SK steht für Silent Key oder einfach Schlusszeichen. Es wird als ein zusammenhängendes Zeichen ...-.- gesendet (Dit-Dit-Dit-Dah-Dit-Dah) ohne Pause zwischen S und K. Es signalisiert das definitive Ende der Sendung und schließt typisch eine QSO ab. Daneben gibt es BT für break (oder Pause) als -...- (Dah-Dit-Dit-Dit-Dah), das innerhalb eines Textes Abschnitte trennt. KN bedeutet over to you, only you und ist -.--. (Dah-Dit-Dah-Dah-Dit), also speziell an einen bestimmten Funker gerichtet. AR bedeutet end of message und ist .-.-. (Dit-Dah-Dit-Dah-Dit). Diese Prosigns oder Betriebs-Abkürzungen sind nicht einzelne Buchstaben, sondern feste Zeichenfolgen mit eigener Bedeutung.
Welche Satzzeichen sind im ITU-Standard definiert?
Punkt (.-.-.-), Komma (--..--), Fragezeichen (..--..), Apostroph (.----.), Bindestrich (-....-), Schrägstrich (-..-.), Klammer auf (-.--.), Klammer zu (-.--.-), Doppelpunkt (---...), Anführungszeichen (.-..-.), At-Zeichen (.--.-.), Plus (.-.-.), Gleichheitszeichen (-...-) und Strichpunkt (-.-.-.). Insgesamt sind 14 Satzzeichen normiert. Andere Zeichen wie Klammern eckig oder kaufmännisches Und werden nicht offiziell standardisiert, sondern entweder umgangen oder lokal vereinbart. Das At-Zeichen wurde erst 2004 in den ITU-Standard aufgenommen, weil es vorher in der Morse-Welt nicht relevant war.
Wo finde ich die offizielle ITU-Codetabelle als Dokument?
Die offizielle Quelle ist die Empfehlung ITU-R M.1677-1 aus dem Oktober 2009 mit dem Titel International Morse code. Sie ist als PDF kostenlos auf der ITU-Website verfügbar und umfasst 17 Seiten mit der vollständigen Codetabelle, den Betriebs-Abkürzungen und den Timing-Regeln. Frühere Versionen waren die M.1172 (Misc operational abbreviations) und die ITU-Vorgängerin CCIR (Comité Consultatif International des Radiocommunications). Wer den Morsecode in einem amtlichen Kontext nutzt (zum Beispiel im Amateurfunk-Notbetrieb oder in der Berufsschifffahrt-Restbestand), bezieht sich verbindlich auf M.1677-1. Für Hobbyfunker reicht die Codetabelle aus Wikipedia, die mit der ITU-Empfehlung deckungsgleich ist.
Quellen
Worauf dieser Ratgeber sich stützt
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